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Erinnern im Geschichtsunterricht

Diktaturen der deutschen Geschichte im 20. Jahrhundert

Noch von dem Wissen über die NS-Diktatur in den Jahren 1933-1945 gefesselt, zeigten die Schülerinnen und Schüler der Klassenstufe 10 großes Interesse an dem Besuch einer KZ-Gedenkstätte, auch wenn das Thema bereits im vergangenen Schuljahr behandelt wurde. Am 22.01.2020 war es dann endlich soweit. Bei frostigen Temperaturen machten sich die Schülerinnen und Schüler zusammen mit ihrer Klassenlehrerin Frau Enders und ihrer Geschichtslehrerin Frau Gössel auf den Weg nach Nordhausen in die KZ-Gedenkstätte Mittelbau-Dora. Nach ihrer Ankunft setzten sich alle Teilnehmer mit Einzelschicksalen von ehemaligen KZ-Häftlingen auseinander. Anschließend gab es eine Führung durch die Stollenanlage. Hier gab es Geschichte zum Anfassen. Es war für alle ein mulmiges Gefühl an dem Ort zu stehen, an denen Menschen durch die NS-Diktatur unschuldig ums Leben gekommen sind. Diese Vorstellung sowie die Zeitzeugenberichte von den grauenvollen Lebensbedingungen ließen alle Teilnehmer erschaudern. Der abschließende Rundgang über den ehemaligen Appellplatz, zu den ehemaligen Häftlings- und SS-Lagern bis zum Aschegrab und dem Krematorium mit den Originalöfen vermittelten noch einen authentischen Eindruck über die Gräueltaten der NS-Diktatur. Es machte uns sprachlos, dass die Nationalsozialisten Asche der verbrannten Opfer einfach würdelos neben das Gebäude gestreut haben. Der Besuch des Konzentrationslagers Mittelbau-Dora vermittelte zu diesem Thema mehr, als es mit jedem Geschichtsbuch möglich wäre.

Auch die zweite Diktatur in Deutschland im 20. Jahrhundert hat ihre Spuren hinterlassen. Neben dem Nationalsozialismus ist die DDR-Geschichte das Thema, das das größte Interesse bei den Schülerinnen und Schülern weckt. Aus diesem Grund besuchte uns am 04.03.2020 der ehemalige DDR-Bürger Berthold Dücker gemeinsam mit Herrn Röser und führte mit der Klassenstufe 10 einen Workshop und einem Zeitzeugengespräch durch. Herr Dücker (*26.10.1947) erzählte bildhaft von seiner Kindheit und Jugend in der DDR: Von der verbotenen Westantenne über Handgranatenweitwurf im Sportunterricht oder die Taktiken der inoffiziellen Mitarbeiter von der Stasi, um an Informationen zu kommen. Die wohl spannendste Erzählung war, wie er mit 16 Jahren durch den Minengürtel in die Bundesrepublik Deutschland floh und danach in einem Auffanglager für Flüchtlinge ein Start in ein neues Leben begann. Neben viel Ernsthaftigkeit gab es auch Momente zum Schmunzeln, so war es für Herrn Dücker eine Herausforderung die erste Banane in seinem Leben zu essen – zunächst mit Schale. Mit viel Glück überlebte er seine waghalsige Fluchtaktion und kann heute als Zeitzeuge die „Generation nach dem Mauerfall“ mit auf eine spannende und wissenswerte Reise in die deutsche Geschichte nehmen. 

Nach seiner Flucht widmete Herr Dücker sein Leben in beruflicher Hinsicht dem Journalismus und war maßgeblich an der Erhaltung des ehemaligen Militärstützpunktes Point-Alpha und der Initiierung des Point-Alpha-Preises beteiligt. Erste Preisträger waren u. a. George Bush sen., Michail Gorbatschow und Helmut Kohl.