Willkommen bei der Goetheschule

Die Goetheschule

Man sieht dem ehrwürdigen Backsteinbau oberhalb des Eisenacher Marktplatzes sein
hohes Alter an. Seit 120 Jahren beherbergen diese Mauern Schüler und Lehrer.
Genau am 6. März 1884 wurde die Charlottenschule – diesen Namen trug sie bis
1950 – als Bürger- und Volksschule feierlich eingeweiht. Verwaltet wurde sie
zusammen mit der Georgenschule am Markt, 1898 wurden in beiden Gebäuden 580
Schüler und 507 Schülerinnen von 20 Lehrern in 23 Klassen unterrichtet, das
Schulgeld betrug zwischen 12 und 18 Mark im Jahr. Aber die Mauern, auf welchen
die Charlottenschule errichtet wurde, sind viel älter.

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1218 wurde hier ein Franziskanerkloster mit einer dreischiffigen Klosterkirche
errichtet, die Klosteranlage reichte von der Esplanade bis zum Glockenturm und vom Wingolfdenkmal bis zur Charlottenstraße. Bis 1538 war es dann noch von wenigen Mönchen bewohnt. Nach zeitweiliger Nutzung als Kornboden wurde es z. T. abgerissen und die Steine wurden beim Bau des herzoglichen Schlosses verwendet. Nach 1650 wurde das Kloster vollständig abgetragen und geriet in Vergessenheit. In der Folgezeit begann man dort mit dem Bau einer Garnisonkirche, der aber 1733 wieder eingestellt wurde. Danach wurde das Gelände als fürstlicher Lustgarten genutzt, der obere Teil davon diente dann später noch als Schulgarten der Charlottenschule. Oberhalb dieses Geländes wurde die Charlottenburg gebaut und dafür hat man Reste der früheren Klosteranlage verwendet.
Die Burg trug den Namen der zweiten Gemahlin des letzten Herzogs von Eisenach, Anna Sophia Charlotte. Der Beginn der Bauarbeiten für die Charlottenschule im Jahre 1882 unter der Leitung des bekannten Eisenacher Architekten Hermann Hahn
(er erbaute auch wenige Jahre zuvor die Eisenacher Synagoge) brachte wesentliche Aufschlüsse über die Klosteranlage. Es wurden Brakteaten, Münzen und Gefäße sowie zwei Grabplatten gefunden. Die ältere Grabplatte war in viele Teile zerbrochen, die jüngere aber wurde in der Nähe ihres Fundortes in die Wand des Kellergeschosses der Charlottenschule eingefügt, wo sie sich heute noch befindet. Sie zeigt ein Frauenbildnis und zwei Wappen. Hermann Hahn legte auch einen Brunnen mit Kanal zur Esplanade und noch weitere Gräber frei. Bei dem späteren Anbau des Ostflügels der Charlottenschule unter Leitung des Maurermeisters Robert Voigt im Jahre 1908 wurden ebenfalls noch Mauerreste und Gräber aus der Klosterzeit gefunden.

1894 wurde beschlossen, ein 2900 Quadratmeter großes Gelände hinter der
Schule als Schulgarten einzurichten. Sicher fanden sich hier auch noch Überreste
aus dem ehemaligem Lustgarten der Charlottenburg. So soll es 1910 dort noch eine
Zeder, einen steinernen Seelöwen und einen Brunnen gegeben haben.

Der hohe Stellenwert, der damals schon dem Schulgarten zuteil wurde, hat für uns
deshalb eine besondere Bedeutung, weil unsere Schule heute als Goetheschule in
den letzten drei Jahren den Titel ,, Umweltschule in Europa ’’ mit vielen
Projekten erfolgreich verteidigt hat und eine enge Partnerschaft mit dem
Eisenacher Forstamt pflegt.

Die Charlottenschule war eine Bürgerschule für Mädchen und bildete eine
Verwaltungseinheit mit der Georgenschule, die von Jungen besucht wurde. Um 1925
wurde sie eine eigenständige Lehranstalt, wo auch die Knaben der vormaligen
Georgenschule mit unterrichtet wurden.

Seit 1950 trägt die ehemalige Charlottenschule den Namen ,,Goetheschule’’. Ihr
Äußeres hat sich seitdem kaum verändert. Leider fiel die Aula im 2. Obergeschoss
den Um- und Ausbaumaßnahmen im Jahre 1970 zum Opfer. Lehrerkollegium,
Elternschaft und Förderverein der Goetheschule bemühen sich seit mehreren Jahren
um die Wiedereinrichtung der Aula.

Dieses Haus ist ein aufgeschlagenes Geschichtsbuch. Es weist zurück bis in das
Mittelalter, doch auch die 120 Jahre Schulgeschichte umspannen eine bewegte
Entwicklung von der Kaiserzeit über zwei Weltkriege und zwei Diktaturen bis zur
Wiedervereinigung. Sicher gibt es noch viel herauszufinden und daraus zu lernen.

Heute ist die Goetheschule eine Regelschule und wird von Schülern von der 5. Klasse bis zur 10. Klasse besucht . Unsere Schüler können hier nach
erfolgreicher Prüfung in der 10. Klasse den Realschulabschluss erwerben oder im
Hauptschulzweig nach den 9. Klasse der qualifizierenden Hauptschulabschluss.

Viele Schüler fühlen sich auch über den Unterricht hinaus mit ihrer Schule
verbunden, sei es durch Arbeitsgemeinschaften, die vielfältigen Umweltprojekte,
durch Spurensuche in der Geschichte unserer Schule und unserer Stadt oder die
mehrmalige Beteiligung am Bundesausscheid von ,, Demokratisch Handeln ’’.